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Wenn du dich mit Aktien beschäftigst, stößt du schnell auf Begriffe wie KGV, Dividendenrendite oder Eigenkapitalquote. Diese Aktienkennzahlen wirken am Anfang wie eine fremde Sprache. Dabei sind sie nichts anderes als Werkzeuge, mit denen du Unternehmen besser vergleichen kannst.
Ohne solche Kennzahlen kaufst du im Grunde nach Gefühl. Mit den richtigen Aktienkennzahlen erkennst du, ob eine Aktie eher teuer oder günstig ist, ob ein Unternehmen stabil arbeitet und wie stark es wächst. Das gibt dir Sicherheit bei deinen Entscheidungen.
Gerade als technisch interessierter Einsteiger willst du Zahlen verstehen und logisch einordnen. Genau hier helfen dir strukturierte Finanzkennzahlen. Sie zeigen dir schwarz auf weiß, wie gesund ein Unternehmen wirklich ist und ob es zu deiner Anlagestrategie passt.
Was sind Aktienkennzahlen – und wofür brauchst du sie wirklich?

Aktienkennzahlen sind messbare Werte, die dir zeigen, wie ein Unternehmen wirtschaftlich dasteht. Sie basieren auf dem Geschäftsbericht, also auf Zahlen wie Gewinn, Umsatz oder Eigenkapital. Aus diesen Daten werden Finanzkennzahlen berechnet, die du einfach vergleichen kannst.
Stell dir Aktienkennzahlen wie technische Messwerte vor. So wie du bei einem PC auf Prozessorleistung oder Arbeitsspeicher schaust, prüfst du bei einer Aktie Gewinn, Verschuldung oder Cashflow. Die Kennzahlen helfen dir, hinter die Fassade von Kursbewegungen zu schauen.
Typische Bereiche sind:
- Bewertung der Aktie
- Rentabilität des Unternehmens
- Wachstum
- Stabilität und Liquidität
Wichtig ist: Eine einzelne Kennzahl sagt wenig aus. Erst im Zusammenspiel ergeben Aktienkennzahlen ein klares Bild. Wenn du lernst, sie richtig zu deuten, triffst du deine Entscheidungen nicht mehr aus dem Bauch heraus, sondern auf Basis von Fakten.
Bewertungskennzahlen: Wie teuer oder günstig ist eine Aktie?
Bewertungskennzahlen zeigen dir, ob eine Aktie im Verhältnis zu ihrem Gewinn oder Vermögen teuer wirkt.
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Das KGV setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Es zeigt dir, wie viele Jahre ein Unternehmen theoretisch braucht, um den heutigen Kurs durch Gewinne zu erwirtschaften.
Ein KGV von 10 bedeutet: Du zahlst das Zehnfache des Jahresgewinns.
Ein KGV von 30 bedeutet: Du zahlst das Dreißigfache.
Ein niedriges KGV kann auf eine günstige Bewertung hindeuten. Ein hohes KGV signalisiert oft hohe Wachstumserwartungen. Wichtig ist immer der Branchenvergleich.
Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)
Das KUV setzt den Börsenwert ins Verhältnis zum Umsatz. Es wird besonders bei jungen oder stark wachsenden Unternehmen genutzt, die noch wenig Gewinn machen.
Gerade bei Tech-Aktien ist das KUV oft aussagekräftiger als das KGV.
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
Das KBV vergleicht den Aktienkurs mit dem bilanziellen Eigenkapital. Es zeigt, wie der Markt das Unternehmen im Verhältnis zu seinem Substanzwert bewertet.
Diese Kennzahlen helfen dir, unterschiedliche Branchen besser zu vergleichen. Wachstumsunternehmen haben oft höhere Bewertungskennzahlen als etablierte Konzerne. Deshalb solltest du Bewertungskennzahlen immer im Branchenkontext betrachten und nicht isoliert bewerten.
Ertrags- und Rentabilitätskennzahlen: Wie profitabel arbeitet das Unternehmen?
Hier geht es um die Frage: Verdient das Unternehmen effizient Geld? Aktienkennzahlen wie Eigenkapitalrendite oder Gewinnmarge geben dir darauf eine klare Antwort.
Eigenkapitalrendite (ROE)
Die Eigenkapitalrendite zeigt dir, wie effizient das Unternehmen mit dem Kapital der Aktionäre arbeitet. Je höher der Wert, desto besser wird das eingesetzte Kapital verzinst.
Eine dauerhaft hohe Eigenkapitalrendite deutet oft auf Wettbewerbsvorteile hin.
Gewinnmarge
Die Gewinnmarge zeigt, wie viel vom Umsatz als Gewinn übrig bleibt.
Beispiel:
10 % Marge → 10 Euro Gewinn bei 100 Euro Umsatz
20 % Marge → 20 Euro Gewinn bei 100 Euro Umsatz
Hohe Margen sprechen für Preissetzungsmacht oder effiziente Prozesse.
Gesamtkapitalrendite
Sie zeigt, wie gut das gesamte eingesetzte Kapital – Eigen- und Fremdkapital – verzinst wird. Das hilft dir, Unternehmen mit unterschiedlicher Verschuldung fair zu vergleichen.
Solche Finanzkennzahlen helfen dir einzuschätzen, ob ein Geschäftsmodell stark ist. Unternehmen mit dauerhaft hohen Margen und stabiler Rentabilität sind oft widerstandsfähiger in Krisenzeiten. Gerade für langfristige Anleger sind diese Aktienkennzahlen ein zentraler Baustein der Analyse.
Dividendenkennzahlen: Ausschüttungsquote und Dividendenrendite richtig einordnen
Wenn du Wert auf regelmäßige Einnahmen legst, spielen Dividendenkennzahlen eine große Rolle.
Dividendenrendite
Die Dividendenrendite zeigt dir, wie hoch die jährliche Dividende im Verhältnis zum aktuellen Kurs ist.
Eine hohe Rendite wirkt attraktiv, kann aber auch ein Warnsignal sein, wenn der Kurs stark gefallen ist.
Ausschüttungsquote
Die Ausschüttungsquote gibt an, welcher Anteil des Gewinns als Dividende ausgezahlt wird.
50 % bedeutet: Die Hälfte des Gewinns wird verteilt, die andere Hälfte bleibt im Unternehmen.
Sehr hohe Quoten können riskant sein, wenn Gewinne schwanken.
Dividendenkontinuität
Ein Blick auf die Historie ist entscheidend. Unternehmen, die ihre Dividende über viele Jahre stabil halten oder steigern, zeigen finanzielle Stabilität.
Solche Aktienkennzahlen helfen dir zu erkennen, ob die Dividende nachhaltig ist oder nur kurzfristig attraktiv wirkt. Entscheidend ist immer, ob die Ausschüttung aus dem laufenden Gewinn und Cashflow finanziert werden kann.
Wachstumskennzahlen: Wie entwickelt sich das Unternehmen langfristig?
Wachstum ist ein zentraler Treiber für steigende Kurse. Deshalb solltest du dir Umsatz- und Gewinnwachstum genau ansehen. Diese Aktienkennzahlen zeigen, ob ein Unternehmen seine Marktposition ausbaut.
Umsatzwachstum
Steigende Umsätze über mehrere Jahre zeigen, dass das Unternehmen Marktanteile gewinnt oder neue Märkte erschließt.
Gewinnwachstum je Aktie
Wichtig ist nicht nur der absolute Gewinn, sondern der Gewinn pro Aktie. Er zeigt dir, ob der Wert pro Anteil wirklich steigt.
Operativer Cashflow
Der Cashflow zeigt, wie viel echtes Geld hereinkommt. Nachhaltiges Wachstum basiert auf steigenden Zahlungsströmen, nicht nur auf bilanziellen Gewinnen.
Ein einmaliger Gewinnsprung sagt wenig aus. Spannend wird es, wenn Umsatz und Gewinn über fünf oder zehn Jahre regelmäßig steigen. Das spricht für ein funktionierendes Geschäftsmodell.
Auch der Cashflow ist entscheidend. Er zeigt, wie viel Geld tatsächlich hereinkommt. Ein Unternehmen kann auf dem Papier Gewinne ausweisen, aber wenn der Cashflow schwach ist, wird es schwierig. Nachhaltiges Wachstum kombiniert steigende Umsätze mit soliden Zahlungsströmen. Genau solche Aktienkennzahlen deuten auf langfristige Qualität hin.
Liquidität und Stabilität: Kennzahlen zur finanziellen Sicherheit
Neben Wachstum zählt die Stabilität. Hier kommen Aktienkennzahlen wie Eigenkapitalquote oder Verschuldungsgrad ins Spiel. Sie zeigen dir, wie solide ein Unternehmen finanziert ist.
Eigenkapitalquote
Sie zeigt, wie viel Prozent des Vermögens durch eigenes Kapital finanziert sind. Hohe Werte bedeuten meist mehr Stabilität.
Verschuldungsgrad
Er gibt an, wie stark das Unternehmen von Fremdkapital abhängig ist. Eine hohe Verschuldung kann in Krisen problematisch werden.
Free Cashflow
Der Free Cashflow zeigt, wie viel Geld nach Investitionen übrig bleibt. Dieses Geld kann für Schuldenabbau, Dividenden oder Wachstum genutzt werden.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigen solche Aktienkennzahlen, welche Unternehmen Krisen besser überstehen können. Stabilität ist kein spektakulärer Faktor, aber langfristig enorm wichtig.
Aktienkennzahlen richtig kombinieren: So vermeidest du typische Anfängerfehler
Der größte Fehler ist, sich auf nur eine Kennzahl zu verlassen. Ein niedriges KGV allein macht noch keine gute Aktie. Erst das Zusammenspiel verschiedener Aktienkennzahlen liefert ein realistisches Gesamtbild.
Du solltest immer mehrere Ebenen prüfen:
- Bewertung
- Rentabilität
- Wachstum
- Stabilität
Wenn ein Unternehmen günstig bewertet ist, hohe Margen erzielt, wächst und solide finanziert ist, spricht vieles für Qualität. Umgekehrt können hohe Wachstumsraten eine hohe Bewertung rechtfertigen.
Wichtig ist auch der Vergleich innerhalb derselben Branche. Tech-Unternehmen haben oft andere Kennzahlen als Versorger oder Banken. Aktienanalyse bedeutet, Zahlen einzuordnen, nicht nur abzulesen. Mit etwas Übung entwickelst du ein Gefühl dafür, welche Kombination von Aktienkennzahlen zu deiner Strategie passt.
Praxis-Check: Aktie in 5 Minuten strukturiert einschätzen
Wenn du eine Aktie schnell, aber sinnvoll bewerten willst, geh diese fünf Punkte nacheinander durch:
1. Bewertung prüfen
Schau dir das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an. Liegt es deutlich über oder unter dem Branchendurchschnitt? Eine hohe Bewertung kann Wachstum einpreisen – muss es aber nicht.
2. Wachstum analysieren
Sind Umsatz und Gewinn je Aktie in den letzten Jahren regelmäßig gestiegen? Einzelne Ausreißer sind weniger wichtig als ein stabiler Trend.
3. Profitabilität bewerten
Wie hoch ist die Eigenkapitalrendite? Bleibt vom Umsatz eine solide Gewinnmarge übrig? Das zeigt dir, wie effizient das Unternehmen arbeitet.
4. Stabilität prüfen
Wie hoch sind Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad? Ein finanziell solides Unternehmen übersteht auch schwierigere Marktphasen besser.
5. Cashflow ansehen
Erwirtschaftet das Unternehmen nachhaltig freien Cashflow? Gewinne auf dem Papier reichen nicht – entscheidend ist das tatsächliche Geld.
Wenn mehrere dieser Punkte überzeugend ausfallen, lohnt sich eine tiefere Analyse.
FAQ: Häufige Fragen zu Aktienkennzahlen
Welche Aktienkennzahlen sind für Einsteiger am wichtigsten?
Wenn du gerade startest, solltest du dich auf wenige, aber aussagekräftige Aktienkennzahlen konzentrieren. Besonders wichtig sind das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), die Eigenkapitalrendite, die Dividendenrendite und die Eigenkapitalquote. Diese Kennzahlen decken Bewertung, Profitabilität, Ertrag und Stabilität ab. Damit bekommst du ein solides Grundbild eines Unternehmens, ohne dich in zu vielen Detailwerten zu verlieren.
Was ist wichtiger: KGV oder Wachstum?
Das hängt stark vom Unternehmen und deiner Strategie ab. Ein niedriges KGV wirkt attraktiv, sagt aber allein wenig aus. Stark wachsende Unternehmen haben oft höhere Bewertungskennzahlen, weil Investoren zukünftige Gewinne einpreisen. Entscheidend ist das Zusammenspiel: Bewertung und Wachstum müssen zueinander passen.
Ab wann gilt ein KGV als hoch?
Ein hohes KGV ist relativ und stark branchenabhängig. Während etablierte Industrieunternehmen oft niedrigere Werte haben, sind bei Technologieunternehmen deutlich höhere KGVs üblich. Wichtig ist deshalb der Vergleich innerhalb derselben Branche und die Entwicklung über mehrere Jahre.
Sind Aktienkennzahlen allein ausreichend für eine Kaufentscheidung?
Aktienkennzahlen sind eine wichtige Grundlage, aber sie ersetzen keine Gesamtbetrachtung. Du solltest auch Geschäftsmodell, Wettbewerbssituation, Marktumfeld und Management berücksichtigen. Kennzahlen liefern dir die Zahlenbasis – die Einordnung bleibt deine Aufgabe.
Wo finde ich verlässliche Aktienkennzahlen?
Zuverlässige Aktienkennzahlen findest du im Geschäftsbericht des Unternehmens sowie auf Finanzportalen und bei Brokern. Achte darauf, dass die Daten aktuell sind und klar ausgewiesen wird, auf welchem Zeitraum sie basieren. Für eine fundierte Analyse lohnt sich immer der Blick in die Originalquellen.
Fazit: Mit Aktienkennzahlen fundierte Entscheidungen treffen
Aktienkennzahlen sind kein trockenes Zahlenwerk, sondern praktische Werkzeuge für deine Investmententscheidungen. Wenn du verstehst, was hinter KGV, Ausschüttungsquote oder Eigenkapitalrendite steckt, gewinnst du Klarheit und Sicherheit.
Wichtig ist, dass du dich nicht von einzelnen Werten blenden lässt. Erst das Zusammenspiel von Bewertung, Rentabilität, Wachstum und Stabilität zeigt dir, wie stark ein Unternehmen wirklich ist. Genau hier liegt der Unterschied zwischen Spekulation und fundierter Analyse.
Probier es selbst aus: Nimm dir ein Unternehmen und analysiere die wichtigsten Aktienkennzahlen Schritt für Schritt. Mit jeder Auswertung wirst du sicherer. Offene Fragen gehören dazu, denn Märkte verändern sich ständig. Entscheidend ist, dass du lernst, Zahlen kritisch zu hinterfragen und sie mit deiner eigenen Strategie zu verbinden.






