Das Wichtigste zum Ablauf einer Privatinsolvenz

Im Jahr 2017 meldete der Schuldneratlas, welcher von Creditreform herausgegeben wird, eine stetige Zunahme der Anzahl überschuldeter Menschen in Deutschland seit dem Jahr 2014. Demnach geben rund 6,9 Millionen Deutsche über 18 Jahre mehr Geld aus, als ihnen durch ihr Einkommen zur Verfügung steht. Die Überschuldung führt in den meisten Fällen nicht an einer Privatinsolvenz vorbei. Wie diese Abläuft, klärt der folgende Text.

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Haben sich erst einmal Schulden angehäuft, können diese nur schwer und mit viel Mühe wieder abgebaut werden. Die sogenannte „Privatinsolvenz“ soll dem Betroffenen ermöglichen, nach spätestens sechs Jahren wieder schuldenfrei leben zu können. Jedoch handelt es sich hierbei um ein Verfahren, welches dem Schuldner viel Offenheit über seine Lebenssituation und demnach auch Vertrauen in seinen  Berater abverlangt.

Ablauf einer PrivatinsolvenzEin Insolvenzverfahren wird in der Regel angestrebt, wenn eine Privatperson als zahlungsunfähig gilt. Das ist der Fall, wenn die vorhandenen Schulden nicht mehr selbstständig und rechtzeitig beglichen werden können. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens wird die Verwertung des Vermögens und Einkommens des Schuldners in die Hände des Insolvenzverwalters gelegt. Dieser sorgt dafür, dass alle Gläubiger einen Teil ihrer offenen Forderungen erhalten. Ein weiterer Teil geht jedoch auch an den Schuldner selbst, damit dieser weiterhin wirtschaften kann. Ein privates Insolvenzverfahren endet im Ablauf mit der sogenannten Restschuldbefreiung, welche jedoch im Vorhinein zusätzlich beantragt werden muss. Bis auf die Ausnahme von Geldstrafen und Geldbußen wird der Schuldner dann von all seinen Schulden befreit, die er zur Zeit der Verfahrensöffnung hatte.

Der eigentliche Ablauf der Privatinsolvenz beginnt jedoch schon vor Anmeldung des Verfahrens vor dem Gericht. Hierbei wird zunächst eine außergerichtliche Einigung zwischen Schuldner und Gläubigern angestrebt. Um diese zu erreichen, wird ein sogenannter „Schuldenbereinigungsplan“ aufgestellt, aus dem ersichtlich werden muss, in welcher Form der Betroffene seine Schulden abdecken möchte. Dabei sollte sich der Schuldner unbedingt professionelle Hilfe suchen. Diese wird in der Regel durch Rechtsanwälte, Schuldnerberatungen oder anderen gemeinnützigen Stellen angeboten. Scheitert der Versuch der Einigung, muss die Beratungsperson darüber eine Bescheinigung ausstellen. Nur wenn diese vorliegt, kann die Privatinsolvenz in ihrem Ablauf in die nächste Phase kommen.

Ist die außergerichtliche Einigung gescheitert, kann der Schuldner beim zuständigen Gericht die Insolvenz anmelden. In diesem Zusammenhang sollte auch die Restschuldbefreiung beantragt werden. In der Regel wird dann vom Gericht ein weiteres Schuldenbereinigungsverfahren, also eine weitere außergerichtliche Einigung, angestrebt. Erst wenn auch diese scheitert, beginnt die eigentliche Insolvenz.

Mit beginnt der Privatinsolvenz wird zunächst geklärt, ob der Schuldner selbst in der Lage ist, die Kosten des Verfahrens zu tragen. Zu diesen Kosten zählen:

  • Gerichtskosten
  • Auslagen
  • Kosten für den Treuhänder

Im nächsten Schritt wird das Verfahren offiziell eröffnet. Das Gericht legt dazu einen Treuhänder fest, welcher über das Vermögen des Schuldners verfügt und die Gläubiger bezahlt. Wurde das Vermögen dementsprechend verteilt, schreitet die Privatinsolvenz voran. Im Ablauf schließt sich nun ein Schlusstermin an, bei dem sowohl die Gläubiger als auch der Treuhänder vom Gericht angehört werden. Kommt der Schuldner in der anschließenden Wohlverhaltensperiode seinen Pflichten nach, entscheidet das Gericht, dass eine Restschuldbefreiung möglich ist. Das bedeutet, dass dem Schuldner alle, noch offenen Forderungen erlassen werden. Ab diesem Zeitpunkt ist der Befreite schuldenfrei.

Weitere Informationen zum Thema „Privatinsolvenz“ finden Sie hier. Zudem bietet das kostenlose Ratgeberportal www.schuldenberatung.de viele weitere Informationen, Ratgeber und eBooks zu Themen, wie Pfändung, Schulden und Schuldnerberatung.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

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